Jahreshauptversammlung vom 21.01.2012

Teilweise kuriose Einsätze beschäftigen die Feuerwehr

Zu 92 Einsätzen rückten die ehrenamtlichen Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Bad Nenndorf im vergangenen Jahr aus. Darunter waren neben den ärgerlichen Fehlalarmen auch einige kuriose Einsätze, wie der stellvertretende Ortsbrandmeister Hans-Martin Cronjaeger berichtete.

So rückte die Feuerwehr in 2011 zu einem Flugzeugabsturz auf die Autobahn aus. Der Pilot eines Modellflugzeuges hatte die Kontrolle verloren und der Flieger stürzte in ein Gebüsch an der Autobahn. Vor dort aus drohte es auf die Fahrbahn zu fallen. Die Feuerwehr entfernte den Flieger und beseitigte die Gefahr. Ebenfalls auf der Autobahn gab es einen brennenden Pkw zu löschen. Eigentlich nichts ungewöhnliches, jedoch handelte es sich dieses Mal um einen Streifenwagen der Autobahnpolizei. Nachdem fest stand, dass keine Munition im Fahrzeug war, begannen die Feuerwehrleute mit den Löscharbeiten.

Cronjaeger berichtete ebenfalls von drei Großbränden. In Barsinghausen brannte im Frühjahr das Dach einer Sporthalle. Im November ging es ebenfalls nach Barsinghausen, als in einem Betrieb, der Dämmstoffe produzierte, ein Feuer ausbrach. Drei Lagehallen mit einer Gesamtfläche von 2.500 Quadratmetern standen in Flammen. Nach Abschluss der Löscharbeiten waren die Einsatzfahrzeuge und die Einsatzkleidung mit einer Rußschicht überzogen. Die Reinigung dauerte noch einmal Stunden.

Sechs Menschen retteten die Feuerwehrleute aus gefährlichen Situationen. Zweimal kam leider jede Hilfe zu spät. Bei einem Verkehrsunfall zwischen Horsten und Ohndorf verbrannte die Fahrerin eines Opel Corsa, nachdem sie gegen einen Baum gefahren war. Die Feuerwehr hatte im Anschluss an die Unfallaufnahme die schwere Aufgabe, sie aus dem Auto zu bergen. Ebenfalls hilflos war die Feuerwehr, als sich ein Mann mit Kohlenmonoxid das Leben nahm. Unter Atemschutz drangen die Einsatzkräfte in die hermetisch abgedichtete und mit Warnschildern versehene Wohnung ein und holten den Mann heraus.

Bei allen Einsätzen zeigte sich der gute Ausbildungsstand der Feuerwehrleute. Die Ausbildung wird, wie Zugführer Paul Dylla berichtete, zusätzlich zu den Einsätzen durchgeführt. 52 Dienste absolvierten die Mitglieder der Feuerwehr Bad Nenndorf. Neben dem kontinuierlichen Üben der Grundtätigkeiten wurde der Umgang mit allen Gerätschaften der Feuerwehr trainiert. Auf der Menschrettung lag dabei ein besonderer Schwerpunkt. Die Rettung von Menschen über tragbare Leitern, die Drehleiter oder aus verunfallten Fahrzeugen stand immer wieder auf dem Dienstplan. Die Ausbilder bemühten sich, alle Dienste möglichst realitätsnah zu gestalten. Schrottfahrzeuge, die ein Rodenberger Abschleppunternehmen der Feuerwehr zur Verfügung stellt, dienten mehrfach als Übungsobjekt.

Bei zwei großen Einsatzübungen in Riehe und Bad Nenndorf probte die Feuerwehr auch die Zusammenarbeit mit anderen Feuerwehren und dem DRK. Bei einem angenommenen Feuer in der Klinik Niedersachsen mussten 50 Personen gerettet werden. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die von den mehr als 200 Beteiligten gemeistert wurde.

Die Jugendfeuerwehr um Jugendfeuerwehrwart Thomas Hoffmeister zählte zum Jahreswechsel 19 Mitglieder. Davon 12 Mädchen. 65 Mal trafen sich die Jugendlichen zu gemeinsamen Diensten und Aktivitäten. Feuerwehrtechnik und das Üben für die Wettbewerbe stand dabei im Mittelpunkt. Aber auch die Gemeinschaft wurde gefördert. Mit Ausflügen ins Hallenbad, auf die Eisbahn oder ins Zeltlager nach Bückeburg festigten die Jugendlichen ihren Zusammenhalt.

Im Kreiszeltlager auf den fürstlichen Hofwiesen zelteten die angehenden Feuerwehrleute eine Woche lang zusammen mit 1.500 weiteren Jugendlichen aus dem Landkreis Schaumburg. Sie knüpften neue Freundschaften und hatten viel Spaß bei allen Aktivitäten. Sieben Jugendliche absolvierten in dieser Woche die Prüfungen zur Leistungsspange – der höchsten Auszeichnung der Deutschen Jugendfeuerwehr. Sie demonstrierten damit zum einen ihren Zusammenhalt. Zum anderen aber auch ihr Feuerwehrwissen und ihre Sportlichkeit.

In den oberen Etagen des Feuerwehrhauses richten Jugendliche und Aktive derzeit einen Raum für die Kinder und Jugendfeuerwehr ein. Hoffmeister kündigte an, dass pünktlich zum Einzug auch ein Kickertisch angeschafft wird.

Andreas Flemming von der Kinderfeuerwehr „Heiße Bande“ betreut mit seinem Team momentan 14 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren. Bei den regelmäßigen Treffen geht es vor allem um die Brandschutzerziehung. Die Kinder lernen die Gefahren des Feuers kennen – auch anhand von Experimenten – und wie man ein Feuer wieder löschen kann. Natürlich stehen auch Spiele, Bastelnachmittage und Kekse backen auf dem Programm. Besonderer Höhepunkt war die Teilnahme an einem Aktionstag im Heidepark. Tausende Kinder und Jugendliche aus Niedersachsen kamen zur größten Jugendfeuerwehrveranstaltung der Welt zusammen. Wie ein Junge berichtete, den Flemming ein paar Tage nach der Aktion traf, sei ihm „noch zwei Tage lang von der Achterbahn schlecht gewesen, aber es hätte einen Riesenspaß gemacht.“

Ebenso wie die Jugendfeuerwehr plant die „Heiße Bande“ in diesem Jahr einen Schnupperdienst, um neue Mitglieder zu gewinnen.

Der Fuhrpark der Ortsfeuerwehr, so Ortsbrandmeister Thomas Schweer, befindet sich in einem guten Zustand. Die fünf Fahrzeuge legten in 2011 insgesamt 9187 km bei 594 Fahrten zurück. Die 26 Jahre alte Drehleiter wird von den Feuerwehrleuten gut gepflegt. Eine Reparatur konnte dank der Unterstützung einiger Kameraden für 1.500 Euro durchgeführt werden. Dennoch gibt Schweer zu bedenken, dass das Rettungsfahrzeug in den nächsten Jahren zum Austausch ansteht.

Die Freiwillige Feuerwehr Bad Nenndorf verfügte zum Jahreswechsel über 51 aktive Feuerwehrleute. Trotz einiger Wohnortwechsel ist die Zahl der Aktiven über die letzte Jahre angestiegen. Dennoch bereitet die Tagesverfügbarkeit dem Ortsbrandmeister sorgen. Viele Feuerwehrangehörige arbeiten außerhalb der Stadt. Im Alarmfall stehen sie nicht oder zeitverzögert zur Verfügung. Zusammen mit der Verwaltung sucht die Führung der Feuerwehr nach Lösungsmöglichkeiten. Das Einbinden von Mitarbeitern der Samtgemeinde ist eine Option die geprüft werde. Ebenso wie der duale Einsatzdienst. Mitglieder anderer Feuerwehren, die in der Stadt arbeiten, könnten bei Bedarf die Fahrzeuge besetzen. Grundlage wäre jedoch ein regelmäßiger gemeinsamer Ausbildungsdienst. Zusammen mit den Feuerwehren aus Riepen und Helsinghausen/Kreuzriehe wird dieser bereits regelmäßig praktiziert.

„Von der Neuzeit in die Steinzeit“, kommentierte ein Ratsmitglied die Ankunft im Feuerwehrhaus Bad Nenndorf, nachdem zuvor der Standort in Gehrden besucht wurde. Die Notwendigkeit für den Neubau eines Feuerwehrhauses wird also durchaus erkannt. Die Planungen sollen in 2012 auch fortgeführt werden. Angesichts der Kosten führt dieses Vorhaben jedoch zu vielen Diskussionen in den Ausschüssen und Fraktionen. Feuerwehrhäuser in der Umgebung, die seinerzeit günstiger errichtet wurden, halten zum Vergleich mit einem möglichen Neubau her. Schweer gibt jedoch zu bedenken, dass Vergleiche nur mit Standorten von Feuerwehren sinnvoll sind, die über eine ähnliche Einsatzzahl und ein ähnliches Gefahrenpotenzial verfügen. Ebenso dürfe man die Planungen nicht mehr zu weit hinauszögern, da eine neue Drehleiter nicht mehr in das alte Gebäude passen dürfte.

Auch die pauschale Kürzung der Haushaltsanforderungen für 2012 um 25 % stieß bei den Feuerwehrleuten auf Unverständnis. Es werden – auch wenn dieses manche Politiker behaupten – keine Wünsche geäußert. Vielmehr handele es sich um berechtigte Anforderungen und Ersatzbeschaffungen. Vieles, besonders im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit, werde bereits durch die Ortsfeuerwehren finanziert. Auch die Einsatzkräfte bringen Geld mit. Als Beispiel nannte der Ortsbrandmeister die Reinigung von Uniformen und die Fahrten mit dem privaten Pkw zu Einsätzen, Veranstaltungen oder Diensten. Was wäre, wenn auch die Feuerwehrleute ihre Aufwendungen um 25 % kürzen würden. Schweer rief die Ratsmitglieder dazu auf, dieses bei den zuknftigen Entscheidungen und Beratungen zu berücksichtigen.

Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese dankte den Aktiven für ihre Einsatzbereitschaft und ihr Engagement bei der Jugendarbeit. Die Feuerwehr werde gebraucht. Zumal im Mittelzentrum Bad Nenndorf zwei Drittel aller Einwohner der Samtgemeinde leben.

Angesichts der knappen Kassen sei es unumgänglich, bei der Finanzierung Schwerpunkte zu setzen. Alle Anforderungen seien nicht umzusetzen. Dieses sei jedoch nicht nur in Nenndorf so. Auch andere Kommunen müssen kürzen und streichen.

Im Feuerwehrausschuss wurde der Handlungsbedarf hinsichtlich des Feuerwehrhauses in Bad Nenndorf erkannt. Der momentane Zustand sei keine Dauerlösung. Ein Fachbüro hatte den ersten Bedarf ermittelt und 60.000 Euro sind für die weiteren Planungen in 2012 vorgesehen. Es müsse eine Zukunftslösung für Bad Nenndorf und die Feuerwehr gefunden werden.

Die gute Jugendarbeit, so Reese, sei für ihn die Gewissheit, dass es mit dem ehrenamtlichen Engagement weitergehe. Eine Berufsfeuerwehr sei für Bad Nenndorf nicht zu finanzieren. Alle Ortsfeuerwehren werden auch zukünftig benötigt.

Aus der Jugendfeuerwehr wurden Timo Baroth, Christian Kopka und Maximilian Verhouven durch den Ortsbrandmeister in die Einsatzabteilung übernommen. Gemeindejugendfeuerwehrwart Andreas Renner überreichte ihnen als Erinnerung an ihre Zeit in der Jugendabteilung das Traditionsabzeichen der Deutschen Jugendfeuerwehr. Nach mit Bravour bestandener Truppmannausbildung ernannte Thomas Schweer die beiden Quereinsteigerinnen Martina Dylla und Jennifer Schweer zu Freuerwehrfrauen. Oberfeuerwehrmänner sind nun Dennis Höger und Michael Kopka.

Gemeindebrandmeister Friedhelm Möller beförderte Eike Elwert zum     Oberlöschmeister und Ingo Scheibel zum Hauptlöschmeister.

Für 25-jährige fördernde Mitgliedschaft erhielt Monika Schröder die Ehrennadel der Ortsfeuerwehr überreicht. Bereits 40 Jahre unterstützen das Kirchenkreisamt Rinteln, Helmut Jöstingmeier, Elisabeth Meier und Horst Wehmhoyer die Feuerwehr.

Text und Fotos: Marco Thiele // 21.01.2012

05.01.2012, Einsatz T1 , Bäume auf Strasse

Sturmtief „Andrea“ sorgte mit orkanartigen Böen auch im Schaumburger Land für Arbeit bei den Freiwilligen Feuerwehren. In Bad Nenndorf rückten die freiwilligen Feuerwehrleute zu zwei Einsatzstellen aus. Zunächst stürzte in der Mittelweise ein Baum auf die Straße. Mittels Kettensäge zerteilten die Einsatzkräfte das Hindernis und verließen nach etwa 30 Minuten die Einsatzstelle. Eine Stunde später dann der nächste Einsatz. In der Straße Immenkamp hielten eine Birke und eine Tanne dem Sturm nicht mehr Stand. Hier dauerte es rund 80 Minuten, bis die Bäume beseitigt waren.

Text: Marco Thiele